Mit Frauenfußball punkten (WAZ-Artikel vom 29.07.2016)

Mit Frauenfußball punkten (WAZ-Artikel vom 29.07.2016)

Mit Frauenfußball punkten

In einer Zeit, in der Frauenfußball allerhöchstens als Randsportart durchging, zeigte der SV Waldesrad Pioniergeist. Denn bereits 1996 meldete der Lindener Verein seine erste Mädchenmannschaft zum Spielbetrieb an. Nun, 20 Jahre später, blickt der Club nicht nur auf 20 Jahre Frauenfußball am Waldesrand zurück, sondern auch auf eine Erfolgsgeschichte.

So waren es die Frauen, die bis in die jüngste Vergangenheit hinein dafür sorgten, dass sich die Vitrinen im Vereinsheim am Heidelbeerweg mit Pokalen füllten. Erst Anfang 2016 gewannen die Grün-Weißen das Hallenmasters in der Rundsporthalle. Es folgte der Sieg im Kreispokalfinale gegen Grumme. Mit 9 : 2 sicherte sich der SVW Ende Mai das Ticket für den Westfalenpokal.

Das letzte Tor erzielte dabei „ausgerechnet“ Claudia Potrafke, die seit 1996 ununterbrochen für den SV Waldesrand auf dem Rasen stand und schon 1998/99 mit der Mädchenmannschaft den ersten Aufstieg der neu gegründeten Abteilung feiern durfte. Damals erhielt das Team sogar einen Förderpreis des Westdeutschen Fußballverbands. 2007 zählte Claudia Potrafke wiederum zum Team, das den Aufstieg in die Frauen-Bezirksliga schaffte. 2009 gehörte sie zu den Leistungsträgerinnen, die den Aufstieg in die Landesliga verwirklichten. Der Kreispokalsieg war jetzt zugleich glänzender Abschluss ihrer aktiven Laufbahn: Kürzlich wurde die 30jährige mit einem großen Abschiedsspiel am Heidelbeerweg verabschiedet.

Claudia Potrafke steht damit sinnbildlich für die erfolgreiche Geschichte des Frauenfußballs am Waldesrand. Den Grundstein dafür legten vor 20 Jahren Hans Gehle, Werner Potrafke und Armin Rödiger sowie das Trainerteam um Petra und Wilfried Skiera, die das Projekt Fußball für Mädchen innerhalb des Vereins ins Leben riefen und forcierten.

Es war ein Anfang mit Hindernissen. „Teils mussten die Mädels in Gelsenkirchen oder im Bergischen spielen, weil es im Bochumer Kreis noch keine Gegner gab. Immerhin fanden sich sofort Sponsoren, die ausschließlich den Frauenfußball fördern wollten“, blicken Gehle, Potrafke und Rödiger zurück in die 90er.

Der schnelle Aufstieg, die weiteren Erfolge, zogen nicht nur weitere Gönner, sondern auch immer mehr Mädchen und später Frauen an, die am Heidelbeerweg die grünen Stutzen hochzogen. Inzwischen stellt der Club Mädchenmannschaften in allen Altersklassen; hinzu kommen zwei Frauenmannschaften sowie gar eine Ü30-Gruppe. „Die Frauenabteilung ist damit schon so etwas wie das Aushängeschild unseres Vereins geworden“, betont Geschäftsführer Oliver Borgböhmer. Er hofft nur, dass die Entwicklung nicht gebremst wird: „Leider bietet unsere Platzanlage keine optimalen Spiel- und Trainingsbedingungen, ist jahreszeitbedingt oft überhaupt nicht bespielbar. Viele potenzielle neue Spielerinnen sagen aufgrund der Bedingungen ab. Um konkurrenzfähig zu bleiben und den Frauenfußball in Bochum weiter in dieser Form zu fördern, brauchen wir schnellstmöglich Kunstrasen.“ Nur so könne der Frauenfußball in Linden, 20 Jahre nach dem ersten Anstoß, weiterhin Erfolgsgeschichten schreiben.

Claudia Potrafke vom SV Waldesrand beim Abschiedsspiel nach 20 Jahren

Claudia Potrafke vom SV Waldesrand beim Abschiedsspiel nach 20 Jahren

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